Das Referendariat bei der Anwaltskammer ist eine der zentralen Stationen auf dem Weg zur Zulassung als Rechtsanwalt in Deutschland. Wer das Zweite Staatsexamen erfolgreich absolvieren und anschließend in einer privaten Kanzlei Fuß fassen möchte, muss die Anwaltsstation im Referendariat sorgfältig planen und die Anforderungen der zuständigen Anwaltskammer kennen. Dieser Leitfaden erklärt Ihnen alle wesentlichen Aspekte — von der Anmeldung über den Ablauf bis hin zu den Karrierechancen, die sich nach der Station in einer Kanzlei ergeben.
- Was ist die Anwaltsstation im Referendariat?
- Anmeldung bei der Anwaltskammer: Fristen und Voraussetzungen
- Ablauf der Anwaltsstation in der Kanzlei
- Die richtige Kanzlei für das Referendariat auswählen
- Karrierechancen nach dem Referendariat in der Kanzlei
- Häufig gestellte Fragen
- Fazit
Was ist die Anwaltsstation im Referendariat?
Die Anwaltsstation ist eine Pflichtstation im juristischen Referendariat und dauert in den meisten Bundesländern drei Monate. Sie vermittelt angehenden Juristen praxisnahes Wissen über die Tätigkeit eines Rechtsanwalts und bildet die Grundlage für alle späteren Kanzleikarrieren.
Das juristische Referendariat gliedert sich in verschiedene Pflichtstationen: die Zivilstation, die Strafstation, die Verwaltungsstation, die Anwaltsstation sowie eine Wahlstation. Die Anwaltsstation im Referendariat ist dabei besonders bedeutsam, weil sie den direkten Bezug zur späteren beruflichen Realität in einer privaten Anwaltskanzlei herstellt. Laut kanzleiwelt.de sind es gerade diese praxisnahen Einblicke, die Referendare auf den Einstieg in den Kanzleialltag vorbereiten und erste wertvolle Netzwerke entstehen lassen.
Die Anwaltskammer übernimmt in diesem Kontext eine Schlüsselrolle: Sie registriert die Ausbildungsanwälte, prüft deren Eignung als Ausbilder und stellt sicher, dass die Ausbildung den gesetzlichen Anforderungen entspricht. Außerdem bieten viele Anwaltskammern eigene Lehrveranstaltungen und Arbeitsgemeinschaften an, die parallel zur Kanzleistätigkeit besucht werden müssen.
Rechtliche Grundlage der Anwaltsstation
Die rechtliche Basis für die Anwaltsstation ergibt sich aus den jeweiligen Juristenausbildungsgesetzen der Bundesländer sowie aus der Bundesrechtsanwaltsordnung (BRAO). Die BRAO regelt unter anderem, wer als Ausbildungsanwalt tätig sein darf und welche Pflichten sowohl der Ausbildungsanwalt als auch der Referendar zu erfüllen haben. Für Referendare ist es ratsam, sich frühzeitig mit den länderspezifischen Regelungen vertraut zu machen, da die Anforderungen in Bayern, Berlin, Nordrhein-Westfalen oder Hessen teilweise voneinander abweichen können.
Anmeldung bei der Anwaltskammer: Fristen und Voraussetzungen
Die Anmeldung zur Anwaltsstation erfolgt in der Regel über das jeweilige Oberlandesgericht (OLG) bzw. das zuständige Justizprüfungsamt, das die Referendare der Anwaltskammer meldet. Dennoch müssen Referendare in einigen Bundesländern zusätzlich direkt bei der Anwaltskammer aktiv werden, um die Arbeitsgemeinschaften zu buchen und sich als Teilnehmer zu registrieren.
Aktuelle Stellenangebote auf kanzleiwelt.de zeigen, dass Kanzleien in Städten wie München, Berlin, Frankfurt und Hamburg besonders häufig nach Referendaren suchen — was unterstreicht, wie wichtig eine frühzeitige Bewerbung bei der Wunschkanzlei ist.
Fristen je nach Bundesland
Die konkreten Anmeldefristen für die Anwaltskammer Referendariat-Stationen variieren je nach Bundesland erheblich. Als Orientierung gilt:
| Bundesland | Zuständige Anwaltskammer | Besonderheiten |
|---|---|---|
| Bayern | Rechtsanwaltskammer München / Nürnberg | Eigene AG-Kurse, frühzeitige Anmeldung empfohlen |
| Berlin | Rechtsanwaltskammer Berlin | Online-Anmeldung für AGs möglich |
| NRW | RAK Düsseldorf / Köln / Hamm | Mehrere Kammern, je nach Stationierungsort |
| Hessen | RAK Frankfurt am Main | Starke Ausrichtung auf Wirtschaftskanzleien |
| Hamburg | Hanseatische RAK Hamburg | Kombination aus Kanzlei- und Kammerangeboten |
Bitte prüfen Sie die aktuellen Fristen direkt auf der Website Ihrer zuständigen Anwaltskammer, da diese sich jährlich ändern können.

Ablauf der Anwaltsstation in der Kanzlei
Die Anwaltsstation dauert in den meisten Bundesländern drei Monate und findet in einer zugelassenen Ausbildungskanzlei statt. Der Referendar wird dabei von einem erfahrenen Rechtsanwalt betreut, der als Ausbildungsanwalt bei der zuständigen Anwaltskammer registriert ist.
Inhaltlich umfasst die Anwaltsstation folgende Kernbereiche:
- Mandantengespräche beobachten und führen
- Schriftsätze, Klagen und Verträge selbstständig entwerfen
- Aktenstudium und rechtliche Recherche
- Teilnahme an Gerichtsverhandlungen
- Einblick in die Kanzleiorganisation und das Mandatsmanagement
Parallel zur Kanzleistätigkeit findet die Arbeitsgemeinschaft der Anwaltskammer statt. Diese AG wird von erfahrenen Anwälten oder Dozenten geleitet und vertieft praxisorientierte Kenntnisse im Vertragsrecht, Prozessrecht und anwaltlichen Berufsrecht. Die erfolgreiche Teilnahme an der AG ist in der Regel Voraussetzung für die Zulassung zur Zweiten Juristischen Prüfung.
Die Arbeitsgemeinschaft der Anwaltskammer
Die Arbeitsgemeinschaft (AG) ist ein Pflichtbestandteil des Referendariats bei der Anwaltskammer. Sie findet üblicherweise ein- bis zweimal wöchentlich statt und vermittelt insbesondere anwaltliches Berufsrecht, Gebührenrecht nach dem Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG) sowie strategisches Prozessführen. Referendare, die eine Karriere in einer privaten Wirtschaftskanzlei anstreben, sollten diese AG-Inhalte nicht unterschätzen — das RVG-Wissen ist im späteren Kanzleialltag täglich relevant.
Die richtige Kanzlei für das Referendariat auswählen
Die Wahl der Ausbildungskanzlei während des Referendariats ist eine der wichtigsten strategischen Entscheidungen für Ihre spätere Anwaltskarriere. Viele Referendare erhalten nach der Anwaltsstation ein Übernahmeangebot — oder zumindest wertvolle Referenzen und Netzwerkverbindungen.
Laut kanzleiwelt.de sind folgende Kanzleitypen für die Anwaltsstation besonders beliebt:
- Großkanzleien (z. B. internationale Wirtschaftskanzleien in Frankfurt, München, Berlin): Hochstrukturierte Ausbildung, Fokus auf M&A, Kapitalmarktrecht, Steuerrecht
- Boutique-Kanzleien: Spezialisierte Ausbildung in Nischenbereichen wie IP-Recht, Arbeitsrecht oder Strafrecht
- Mittelständische Kanzleien: Breite Ausbildung, frühe Mandantenkontakte, hohe Eigenverantwortung
- Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungskanzleien: Ideal für Referendare mit Interesse an steuerrechtlichen Spezialisierungen
Bewerbung für die Anwaltsstation: Schritt für Schritt
Eine strukturierte Bewerbung erhöht Ihre Chancen erheblich, eine begehrte Ausbildungsstation zu erhalten. Hier ist eine bewährte Vorgehensweise:
- Frühzeitig beginnen: Starten Sie Ihre Bewerbungen idealerweise 6 bis 9 Monate vor Beginn der gewünschten Anwaltsstation, insbesondere bei Großkanzleien.
- Kanzleirecherche betreiben: Prüfen Sie, ob die Kanzlei als Ausbildungsstelle bei der Anwaltskammer registriert ist — das ist gesetzliche Voraussetzung.
- Bewerbungsunterlagen anpassen: Betonen Sie Ihre Interessenschwerpunkte und verknüpfen Sie diese mit dem Tätigkeitsprofil der Kanzlei.
- Netzwerke nutzen: Viele Stellen werden über persönliche Kontakte vergeben. Karrieremessen, Law-School-Events und Plattformen wie kanzleiwelt.de sind hilfreiche Anlaufstellen.
- Vorstellungsgespräch vorbereiten: Informieren Sie sich über aktuelle Mandate, Kanzleistruktur und Partnerschaft. Zeigen Sie Eigeninitiative und Fachkenntnisse.
- Vertragsdetails klären: Informieren Sie sich über Vergütung (Referendargehalt), Urlaubsanspruch und die Möglichkeit, nach dem Referendariat als Berufseinsteiger übernommen zu werden.

Karrierechancen nach dem Referendariat in der Kanzlei
Das Referendariat — und insbesondere die Anwaltsstation — ist für viele Juristen der direkte Einstieg in die Kanzleikarriere. Die Anwaltsstation ist oft der erste Schritt auf dem Weg zur Partnerschaft oder zu einer spezialisierten Anwaltskarriere.
Wer die Anwaltsstation in einer renommierten Kanzlei absolviert und dabei überzeugt, hat gute Chancen auf einen Direkteinstieg als Associate nach dem Zweiten Staatsexamen. Dabei ist das Examensergebnis nach wie vor ein wichtiges Kriterium — Großkanzleien verlangen häufig ein Prädikatsexamen (9 Punkte und mehr). Mittelständische und spezialisierte Kanzleien legen hingegen zunehmend auch Wert auf praktische Erfahrungen, Sprachkenntnisse und persönliche Eignung.
Für weiterführende Informationen zu Karrierewegen empfehlen wir unsere Artikel zu Jurist Jobs in der Kanzlei 2026, zum Weg zur Partnerschaft als Rechtsanwalt sowie zu Volljurist Jobs in der Großkanzlei.
Gehaltsaussichten nach dem Referendariat
Die Gehaltsaussichten nach dem Referendariat hängen stark von Kanzleigröße, Standort und Fachbereich ab. Als Orientierung für 2026 gilt:
| Kanzleityp | Einstiegsgehalt Associate (brutto/Jahr) | Standort |
|---|---|---|
| Internationale Großkanzlei | 120.000 – 160.000 € | Frankfurt, München, Berlin |
| Nationale Wirtschaftskanzlei | 70.000 – 110.000 € | Hamburg, Düsseldorf, Stuttgart |
| Mittelständische Kanzlei | 45.000 – 70.000 € | Deutschlandweit |
| Boutique / Spezialkanzlei | 55.000 – 90.000 € | Köln, Eschborn, München |
Diese Zahlen verdeutlichen, dass die Wahl des Ausbildungsorts und der Kanzleigröße langfristige finanzielle Konsequenzen hat. Weitere Details zu Vergütungsstrukturen finden Sie in unserem Artikel zu Salary Partner 2026: Bedeutung, Gehalt & Karriereweg.
Häufig gestellte Fragen
Muss ich mich für das Referendariat persönlich bei der Anwaltskammer anmelden?
In den meisten Bundesländern erfolgt die Zuordnung zur Anwaltskammer automatisch über das Justizprüfungsamt oder das OLG. Allerdings müssen Sie sich für die Arbeitsgemeinschaften der Anwaltskammer häufig selbst anmelden. Erkundigen Sie sich direkt bei Ihrer zuständigen Anwaltskammer über die geltenden Modalitäten.
Wird die Anwaltsstation vergütet?
Referendare erhalten in Deutschland eine staatliche Unterhaltsbeihilfe, die je nach Bundesland zwischen ca. 1.100 und 1.400 Euro brutto pro Monat liegt. Manche Kanzleien — vor allem Großkanzleien — zahlen darüber hinaus eine freiwillige Aufstockungszahlung. Diese ist jedoch nicht verpflichtend und sollte im Vorfeld mit der Kanzlei geklärt werden.
Kann ich die Anwaltsstation in einer Steuerberatungskanzlei absolvieren?
Nein. Die Anwaltsstation muss bei einem zugelassenen Rechtsanwalt absolviert werden, der bei der Anwaltskammer als Ausbilder registriert ist. Eine reine Steuerberatungskanzlei ohne anwaltliche Zulassung kommt als Ausbildungsstelle nicht in Betracht. Kanzleien, die sowohl Rechtsanwälte als auch Steuerberater beschäftigen (Sozietäten), können jedoch als Ausbildungsstelle fungieren.
Wie finde ich eine geeignete Kanzlei für die Anwaltsstation?
Nutzen Sie spezialisierte Jobportale wie kanzleiwelt.de, die Karrieremessen der Anwaltskammern sowie persönliche Netzwerke aus dem Studium. Viele Kanzleien inserieren explizit Referendar-Stellen. Achten Sie darauf, dass die Kanzlei als Ausbildungsstelle anerkannt ist und ein strukturiertes Ausbildungsprogramm anbietet.
Welche Inhalte werden in der Arbeitsgemeinschaft der Anwaltskammer vermittelt?
Die AG der Anwaltskammer vermittelt praxisorientierte Kenntnisse im anwaltlichen Berufsrecht, im Rechtsanwaltsvergütungsgesetz (RVG), in der anwaltlichen Prozessstrategie sowie in der Mandatskommunikation. Diese Inhalte sind examensrelevant und im späteren Kanzleialltag täglich anwendbar.
Fazit
Das Referendariat bei der Anwaltskammer ist weit mehr als eine Pflichtstation — es ist der Grundstein für eine erfolgreiche Kanzleikarriere. Wer die Anwaltsstation strategisch plant, die richtige Kanzlei auswählt und die Angebote der Anwaltskammer aktiv nutzt, legt den entscheidenden Startblock für den Weg als Associate, Fachanwalt oder Partner. In Städten wie Frankfurt, München, Berlin, Düsseldorf und Hamburg bieten sich 2026 hervorragende Möglichkeiten, bereits während des Referendariats erste karriererelevante Kontakte zu knüpfen. Entdecken Sie aktuelle Kanzlei-Stellen auf Kanzleiwelt — Entdecken Sie aktuelle Kanzlei-Stellen auf Kanzleiwelt.
