
Junge Anwälte und Kanzlei-Jobs: Was erwartet Berufseinsteiger?
Der Weg in die anwaltliche Praxis ist klar strukturiert – und mündet für viele Absolventinnen und Absolventen direkt in einen Kanzlei-Job. Wer als junger Anwalt in einer Kanzlei Fuß fassen möchte, braucht neben dem bestandenen Zweiten Staatsexamen vor allem Orientierung: Welche Einstiegswege gibt es? Wo werden Berufseinsteiger explizit gesucht? Und welche Fachgebiete bieten interessante Perspektiven? Dieser Artikel gibt einen strukturierten Überblick – auf Basis konkreter Branchendaten und offizieller Informationen der Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK).
- Der Anwaltsmarkt: Zahlen und Einstiegschancen
- Vom Referendariat zum ersten Kanzlei-Job
- Anstellungsformen: Kanzlei, Unternehmen, Syndikus
- Fachgebiete für junge Anwältinnen und Anwälte
- Wo und wie man als Berufseinsteiger sucht
- Praxistipps: Bewerbung bei einer Kanzlei
- Häufige Fragen
- Fazit
Der Anwaltsmarkt: Zahlen und Einstiegschancen
Der Anwaltsberuf ist ein Massenberuf – im besten Sinne. Die Bundesrechtsanwaltskammer (BRAK) weist zum 01. Januar 2025 rund 166.000 zugelassene Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte in Deutschland aus. In demselben Kontext hält die BRAK fest, das Tätigkeitsfeld sei „unheimlich vielfältig" – Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte hätten in allen Lebensbereichen zu tun und seien auf vielen verschiedenen Gebieten gefragt.
Diese Vielfalt schlägt sich direkt in der Stellenlandschaft nieder. Auf der BRAK-Jobbörse finden sich unter anderem Vollzeit-Positionen, die ausdrücklich offen für Berufseinsteiger sind – etwa bei Middendorf Dr. Breulmann Rechtsanwälte und Notare in Rheine mit dem Zusatz „(gerne auch Berufseinsteiger)". Solche Ausschreibungen zeigen, dass der Markt nicht nur auf erfahrene Juristinnen und Juristen ausgerichtet ist.
Für junge Anwältinnen und Anwälte lohnt es sich, den eigenen Einstieg frühzeitig zu planen: Welches Fachgebiet soll es sein? Welcher Kanzleityp passt zur angestrebten Arbeitsweise? Und welche Stationen des Referendariats lassen sich strategisch für den Berufseinstieg nutzen?
Vom Referendariat zum ersten Kanzlei-Job
Das Referendariat ist die entscheidende Brücke zwischen Studium und anwaltlicher Berufspraxis. Wer die Erste Juristische Prüfung bestanden hat, absolviert laut BRAK einen zweijährigen juristischen Vorbereitungsdienst. Dieser gliedert sich in Pflichtstationen, die unterschiedlich lang sind. Im Wortlaut der BRAK müssen Referendarinnen und Referendare in der Regel absolvieren:
- Drei Monate bei einem Zivilgericht (Amts- oder Landgericht)
- Drei Monate bei der Staatsanwaltschaft oder im Strafgericht
- Drei Monate in einem Verwaltungsgericht oder einer Behörde
- Neun Monate bei einem Rechtsanwalt
Die neunmonatige Anwaltsstation ist damit die längste der genannten Pflichtstationen. Hier sammeln Referendarinnen und Referendare nicht nur praktische Erfahrung in Mandatsarbeit, Schriftsatzgestaltung und Mandantenkommunikation, sondern knüpfen oft auch erste berufliche Kontakte. Es kann sich daher lohnen, bei der Wahl dieser Station gezielt auf Kanzleien zu achten, die dem eigenen Wunschfachgebiet entsprechen – auch wenn das keine Einstellungsgarantie bedeutet.
Als Vorschlag für die Planung: Wer bereits im Referendariat weiß, in welchem Bereich er später tätig sein möchte, kann die Anwaltsstation bewusst bei einer spezialisierten Kanzlei absolvieren und so erste fachliche Einblicke gewinnen, bevor die eigentliche Stellensuche beginnt.
Zu den Rahmenbedingungen des Referendariats und möglichen Nebentätigkeiten gibt es weiterführende Informationen im Artikel Referendariat Nebentätigkeit: Was ist erlaubt?
Anstellungsformen: Kanzlei, Unternehmen, Syndikus
Nach der Zulassung stehen jungen Anwältinnen und Anwälten grundsätzlich mehrere Wege offen. Die BRAK nennt drei zentrale Möglichkeiten, die sich in Struktur und Alltag erheblich unterscheiden:
- Eigene Kanzlei: Selbständige Tätigkeit als niedergelassene Rechtsanwältin oder niedergelassener Rechtsanwalt. Für viele Berufseinsteiger ist das eher eine mittelfristige Perspektive, da zunächst ein Mandantenstamm und eine betriebliche Infrastruktur aufgebaut werden müssen.
- Angestellter Rechtsanwalt: Tätigkeit als angestellte Anwältin oder angestellter Anwalt bei einem anwaltlichen Arbeitgeber. Die BRAK beschreibt dies als eigenständige Beschäftigungsform neben der Selbständigkeit und dem Syndikusmandat.
- Syndikusrechtsanwalt: Beschäftigung bei einem nichtanwaltlichen Unternehmen als Unternehmensjuristin oder Unternehmensjurist. Die BRAK führt diese Option ausdrücklich als eigenständigen Weg neben Kanzlei und Selbständigkeit an.
Das Berufsrecht aller drei Gruppen richtet sich nach der Bundesrechtsanwaltsordnung (BRAO) und der Berufsordnung (BORA). Wer überlegt, welcher Weg der richtige ist, sollte früh klären, welche Arbeitskultur, Vergütungsstruktur und fachliche Ausrichtung am besten zu den eigenen Zielen passen. Als Orientierungshilfe kann es helfen, die drei Optionen nicht nur nach Gehalt, sondern auch nach gewünschter Eigenverantwortung und langfristiger Entwicklungsperspektive zu bewerten.
Fachgebiete für junge Anwältinnen und Anwälte
Die Breite des anwaltlichen Berufsfelds ist einer seiner größten Vorzüge. Für junge Anwältinnen und Anwälte stellt sich früh die Frage: Auf welches Fachgebiet möchte ich mich ausrichten? Im Folgenden werden einige Bereiche vorgestellt, für die es auf Kanzleiwelt vertiefende Karriereartikel gibt.
Legal Tech und digitale Rechtsberatung
Die Digitalisierung der Rechtsbranche schafft neue Berufsprofile. Auf der BRAK-Jobbörse ist etwa eine Vollzeit-Stelle im Bereich Legal Tech verzeichnet – bei der Allright Group in Berlin, mit hybridem Arbeitsmodell. Das zeigt, dass Legal-Tech-orientierte Positionen inzwischen auch über die offizielle Jobbörse der Anwaltschaft ausgeschrieben werden. Wer sich für die Schnittstelle zwischen Recht und Technologie interessiert, findet weiterführende Informationen im Artikel IT-Recht & Tech: Karriere, Gehalt und Kanzleien.
Strafrecht und Strafverteidigung
Wer sich bereits im Referendariat für die strafrechtliche Station begeistert hat, kann diesen Weg in der Kanzlei vertiefen. Strafverteidigung ist ein anspruchsvolles, aber auch eigenständiges Tätigkeitsfeld mit direktem Mandantenkontakt von Beginn an. Einen Überblick über den Einstieg gibt der Artikel Strafverteidiger Jobs Kanzlei: Einstieg und Karriere.
M&A, Steuerrecht und IP/Patentrecht
Wer in wirtschaftsrechtlichen Kanzleien tätig werden möchte, begegnet früh den Bereichen Mergers & Acquisitions, Steuerrecht sowie IP- und Patentrecht. Die Artikel M&A Kanzlei Career: Einstieg, Aufgaben und Fachanwaltstitel, Steuerrecht: Karriere, Gehalt und Kanzleien und IP & Patentrecht: Karriere, Gehalt und Kanzleien bieten jeweils vertiefende Einblicke in Aufgaben, Qualifikationen und Kanzleistrukturen.
Großkanzleien als Einstiegsoption
Besonders leistungsstarke Absolventinnen und Absolventen erwägen häufig eine Karriere in einer internationalen Großkanzlei. Einen Überblick über Vergütungsstrukturen und Profile am Standort Frankfurt gibt der Artikel Big Law in Frankfurt: Welche Kanzlei zahlt am meisten? Wer langfristig plant, findet im Artikel Equity Partner Einkommen Informationen über die obere Stufe der Partnerlaufbahn.
Wo und wie man als Berufseinsteiger sucht
Die Stellensuche für junge Anwältinnen und Anwälte unterscheidet sich in einigen Punkten von der allgemeinen Jobsuche. Neben den üblichen Plattformen gibt es spezialisierte Quellen, die gezielt auf den juristischen Arbeitsmarkt ausgerichtet sind:
- BRAK-Jobbörse: Die offizielle Jobbörse der Bundesrechtsanwaltskammer richtet sich an Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte sowie an Personen, die diesen Beruf anstreben. Dort sind unter anderem Vollzeit-Positionen gelistet, die ausdrücklich offen für Berufseinsteiger ausgeschrieben sind – wie etwa die Stelle bei Middendorf Dr. Breulmann Rechtsanwälte und Notare in Rheine mit dem Zusatz „(gerne auch Berufseinsteiger)".
- Kanzlei-Karriereseiten: Viele Kanzleien, insbesondere mittlere und große Einheiten, betreiben eigene Karriereseiten mit aktuellen Ausschreibungen. Diese sind oft detaillierter als Einträge auf externen Plattformen.
- Branchenportale: Spezialisierte Jobbörsen für Juristinnen und Juristen bündeln Angebote nach Fachgebiet, Region und Karrierestufe und ermöglichen gezieltere Suchen.
- Netzwerk aus dem Referendariat: Die Anwaltsstation und Hospitationen bei Kanzleien sind oft der direkteste Weg zu einem späteren Jobangebot – persönliche Kontakte entstehen hier auf natürliche Weise.
Als Vorschlag für die Suchstrategie: Es kann hilfreich sein, Stellenanzeigen nicht nur nach Berufsbezeichnung zu filtern, sondern gezielt nach Fachgebiet oder Kanzleityp zu suchen. Wer weiß, ob er eher in einer spezialisierten Boutique-Kanzlei oder in einer Vollkanzlei tätig sein möchte, kann die Suche entsprechend eingrenzen und sich passgenauer bewerben.
Praxistipps: Bewerbung bei einer Kanzlei
Eine Bewerbung als junger Anwalt oder junge Anwältin bei einer Kanzlei folgt eigenen Regeln. Die folgenden Punkte sind ausdrücklich als Vorschläge zur Orientierung gedacht – keine verbindlichen Anforderungen, sondern Ausgangspunkte für eine durchdachte Bewerbungsstrategie.
Unterlagen und Aufbereitung
- Examenszeugnis und Schwerpunkte: Examenszeugnis sowie Nachweise aus dem Referendariat sind standardmäßige Bestandteile der Bewerbungsmappe. Welche Note welche Kanzlei wie gewichtet, variiert und lässt sich am besten aus Stellenanzeigen und Kanzlei-Karriereseiten ablesen.
- Anwaltsstation hervorheben: Die neunmonatige Pflichtstation bei einem Rechtsanwalt ist ein zentrales Element des Lebenslaufs. Konkrete Tätigkeitsschwerpunkte, begleitete Mandate und erlernte Fertigkeiten können stichwortartig beschrieben werden, um die Praxisrelevanz deutlich zu machen.
- Fachliche Schwerpunkte benennen: Wer sich bereits für ein Fachgebiet entschieden hat oder in Richtung eines Fachanwaltstitels denkt, sollte das im Anschreiben und Lebenslauf klar kommunizieren.
Mögliche Fragen im Bewerbungsgespräch
Als Vorbereitung auf das Gespräch können folgende Fragen hilfreich sein – nicht als erschöpfende Checkliste, sondern als Denkanstöße:
- Warum dieses Fachgebiet – und warum diese Kanzlei?
- Welche Mandate oder Fälle aus der Anwaltsstation haben mich besonders geprägt?
- Welche Erwartungen habe ich an fachliche Weiterentwicklung und Mentoring?
- Wie stelle ich mir den Weg zum Fachanwaltstitel oder zur Partnerschaft vor?
- Was unterscheidet diese Kanzlei von anderen, bei denen ich mich beworben habe?
Formulierungsvorschlag für das Anschreiben
Statt einer generischen Einleitung wie „Ich bewerbe mich hiermit auf die ausgeschriebene Stelle" bietet sich ein konkreter fachlicher Aufhänger an, zum Beispiel: „Meine neunmonatige Anwaltsstation bei [Kanzlei] hat mein Interesse an [Fachgebiet] vertieft – diesen Schwerpunkt möchte ich bei Ihnen weiterentwickeln." Das zeigt Selbstreflexion und eine klare fachliche Richtung zugleich.
Regionale vs. überregionale Kanzleien
Nicht jede Karriere als junger Anwalt muss in einer Großstadt oder Großkanzlei beginnen. Regionale Kanzleien schreiben ebenfalls Vollzeit-Stellen für Berufseinsteiger aus – wie die Stellenanzeige von Middendorf Dr. Breulmann Rechtsanwälte und Notare in Rheine auf der BRAK-Jobbörse zeigt. Ob eine regionale oder überregionale Kanzlei besser passt, hängt von persönlichen Präferenzen, dem angestrebten Fachgebiet und den eigenen Karrierezielen ab – eine pauschale Empfehlung lässt sich hier nicht geben.
Wer einen Einstieg in der Wirtschaftsprüfung oder an der Schnittstelle zur Steuerberatung erwägt, findet ergänzende Einblicke im Artikel Wirtschaftsprüfer Einstieg: Wege, Praxis und Karrieretipps.
Häufige Fragen
Fazit
Der Einstieg als junger Anwalt in einer Kanzlei ist heute vielfältiger denn je: von der regionalen Allgemeinkanzlei über spezialisierte Boutique-Kanzleien bis hin zu Legal-Tech-orientierten Einheiten in Großstädten. Die rund 166.000 zugelassenen Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte in Deutschland (Stand: 01.01.2025, Quelle: BRAK) belegen, wie groß der Markt ist – und wie vielfältig die Tätigkeitsfelder sind. Wer das Referendariat strategisch nutzt, die eigenen Fachinteressen früh schärft und gezielt nach passenden Stellen sucht, legt den besten Grundstein für den Berufseinstieg.
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